Sinn und Zweck der Begegnung mit der Orthodoxie

Ausgangspunkt für die Verständigung und die Begegnung mit orthodoxen Christen, deren Gemeinden und Kirchen, ist Christus selbst. Er bittet um das Einssein aller, die zu ihm gehören. Entsprechend der Lehre des Apostels Paulus bilden alle, die Christus angehören, den einen Leib Christi. Nun gilt auch von diesem Leib das, was von jedem lebendigen Leib gilt: Er kann seiner Bestimmung und Aufgabe nur gerecht werden, wenn seine Glieder gut miteinander verbunden sind. Paulus sorgte einst für die Verbindungen durch Besuche, Briefe, Fürbitten und Geldsammlungen. Im Wesentlichen wird bis heute auf dieselbe Weise die Verbindung zwischen Christen und Kirchen aufgebaut und gehalten.

Die orthodoxen Christen im Osten und Südosten unseres Kontinents und das Christentum im Westen Europas haben sich über Jahrhunderte hinweg voneinander getrennt und unterschiedlich entwickelt. Den Kirchen und ihren Gläubigen fällt es auf Grund von Unterschieden, Unkenntnis und leider auch wegen Vorurteilen oft schwer, die jeweils andere Seite als Glied am Leibe Christi anzunehmen, zu ehren und zu lieben. Dies sind jedoch ureigene christliche Aufgaben. Deshalb gehört zu den Angelegenheiten aller Kirchen, sich um die Verständigung und Begegnung mit ihren Geschwistern in Christo zu bemühen. Dies haben in neuerer Zeit orthodoxe und evangelische Synoden nachdrücklich empfohlen. Die  dabei angeregten Begegnungen mögen helfen zum wechselseitigen Verständnis und generell zu christlicher Gemeinschaft mit Gebet, gegenseitiger Fürsorge, Zusammenarbeit in der Mission und auf vielen weiteren Gebieten kirchlicher Arbeit. Im Anschluss an den Aufbau ökumenischer Verbindungen mit der römisch-katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil folgt jetzt die seit langem notwendige Verständigung mit der Orthodoxie. Dies ist gegenwärtig eine vorrangige ökumenische Aufgabe und eine große Herausforderung sowohl für die evangelischen wie auch für die orthodoxen Kirchen.

Für die ökumenischen Zusammenschlüsse in Städten und Ländern sowie auch weltweit ist die Einbeziehung der Gemeinden in die gegenseitige Verständigung erforderlich, damit möglichst viele Aufgaben, einschließlich des gemeinsamen christlichen Zeugnisses, von einer breiten Basis in den Kirchen getragen werden.

Manfred Wagner, Prälaturpfarrer
Reutlingen im September 2009

Württembergischer Arbeitskreis Orthodoxe Kirchen

Der Arbeitskreis Orthodoxe Kirchen (AKO) ist ein Gremium der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zur Begegnung und Verständigung mit den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen. Zu Mitgliedern werden Theologinnen und Theologen berufen, die sich Kenntnisse der Orthodoxie und Kontakte zu einzelnen orthodoxen Kirchen erworben haben. Im AKO sind unterschiedliche Einrichtungen der Kirche vertreten: Kirchenleitung und Gemeindepfarramt, theologische Lehre und diakonische Arbeit, Bildung und Unterricht, Mission sowie Leben in Kommunitäten.

Der AKO bemüht sich um die Realisierung von Empfehlungen, die von evangelischen und orthodoxen Synoden zu mehr Begegnungen sowie zur Überwindung von Fremdheit und Vorurteilen gegeben wurden. Das Ziel ist eine gute Gemeinschaft zwischen beiden Kirchenfamilien. Dies gilt im Besonderen im Hinblick auf die Diasporasituationen beider Kirchen: die Ostkirchen in Deutschland und die evangelischen Kirchen in überwiegend orthodoxen Ländern.

Im AKO soll das Wissen der Mitglieder durch gegenseitige und allgemeine Informationen vermehrt werden. Die Zusammenfassung der Erfahrungen der Mitglieder hilft mit, dass Kirchenleitung, Gemeinden, Kirchenbezirke und landeskirchliche Einrichtungen in allen die Orthodoxie betreffenden Fragen beraten und unterstützt werden können. Die Mitglieder versuchen durch Vorträge, Seminare, Unterricht, Stellungnahmen und Veröffentlichungen das Wissen und das Verständnis der evangelischen Kirchenglieder für die Orthodoxie zu vermehren. Bei allen Aktivitäten wird darauf geachtet, dass auch orthodoxe Christen Verständnis für die evangelische Kirche gewinnen und Vorurteile auf deren Seite überwunden werden. Dies geschieht u.a. durch Begegnungs- und Studientage für orthodoxe Priester mit evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern, in deren Gemeinde eine ostkirchliche Gemeinde lebt.

Evangelische Christen können das Wesen orthodoxer Kirchen am besten erkennen, wenn sie diese in ihren Heimatländern studieren. Aus diesem Grund besucht der AKO alle zwei bis drei Jahre eine Ostkirche in ihrem Heimatland.

Bei diesen Reisen werden bestehende Verbindungen gefestigt und in den Rahmen größerer kirchlicher und ökumenischer Zusammenhänge eingeordnet.

Manfred Wagner, Prälaturpfarrer, Reutlingen im September 2009

 

Vorsitzender des Arbeitskreises Orthodoxe Kirchen:
Pfarrer Stefan Hermann
Geschäftsführer des Arbeitskreises Orthodoxe Kirchen:
Prälaturpfarrerin Senta Zürn