Die Göttliche Liturgie

Der Name „Liturgie“ wird in der orthodoxen Kirche ausschließlich für die Eucharistiefeier gebraucht. In der Regel wird die aus älteren Vorlagen entwickelte Liturgie von Johannes Chrysostomos gefeiert, nur an 10 besonderen Tagen des Jahres wird die (längere) Basilios-Liturgie gefeiert, z.B. an Weihnachten, Epiphanias, Gründonnerstag und Karfreitag. An den Wochentagen der großen Fastenzeit vor Ostern wird die „Liturgie der vorgeweihten Gaben“ gefeiert, ein Wortgottesdienst mit anschließender Kommunion der am vorangegangenen Sonntag konsekrierten Elemente.

 

Der Aufbau der Liturgie:

 

 1.     Proskomedie (Vorbereitung der Gaben)                                                                                                                         

Mit Gebeten und biblischen Deuteworten verbunden legen die Liturgen die Gewändern an und bereiten am Rüsttisch Brot und Wein für die Eucharistie vor. In dieser Zeit wird vor der Bilderwand für die Gemeinde in der Regel eines der Stundengebete gehalten.

 

2.     Liturgie der Katechumenen (Wortgottesdienst)

 

  • Eingangsdoxologie (Lob Gottes) und Friedensektenie (großes Fürbittengebet, nach jeder Bitte singt die Gemeinde bzw. der Chor: Herr, erbarme dich)
  • Drei Antiphonen (Psalmgebete), dazwischen zwei kleine Ektenien (als 3.Antiphon werden die Seligpreisungen gesungen)
  • Kleiner Einzug mit dem Evangelienbuch – in einem feierlichen Zug wird das Evangelienbuch durch den Raum der Gemeinde getragen, das stellt die Verkündigung des Evangeliums durch Jesus dar
  • Trishagion (Hymnus „Heiliger Gott“)
  • Schriftlsesungen, Höhepunkt: Evangelienlesung
  • Eindringliches Fürbittengebet (mit dreimaligem „Herr, erbarme dich“ nach jeder Bitte) und anschließendem Gebet für die Katechumenen. Abschluss dieses Gottesdienstteils ist die Aufforderung an alle nicht Getauften, hinauszugehen (Ruf: „die Türen“)

3.     Liturgie der Gläubigen (eucharistischer Gottesdienst)

 

  • Fürbitte für die Gläubigen
  • Cherubimenhymnus (Wir stehen mit den Engeln vor Gottes  Thron) und
  • Großer Einzug – die vorbereiteten Gaben Brot und Wein werden in einem feierlichen Zug durch die Gemeinde zum Altar gebracht – das symbolisiert  den Weg Christi ans Kreuz.
  • Friedenskuss und Glaubensbekenntnis
  • Kanon der Eucharistie
  • Vater unser, Brotbrechen und Vermischung der Heiligen Gaben
  • Kommunion (Brot und Wein / Leib und Blut Christi werden mit einem Löffel aus dem Kelch ausgeteilt)
  • Zurücktragen des Kelchs zum Rüsttisch
  • Danksagung, Segen und Entlassung
  • Austeilung des „Antidorons“ als Erinnerung an das Liebesmahl (für die Eucharistie werden Teile von 5 Prosphoren (Brote) gebraucht, das nicht für die Eucharistie verwendete Brot und ggf. weitere Prosphoren werden  an die Gottesdienstbesucher ausgeteilt.

 

 

Die Sakramente

Die Eucharistie ist für den orthodoxen Christen das wichtigste Beispiel dafür, dass mit Hilfe sichtbarer Elemente der unsichtbare Gott in das Leben eines Menschen tritt und ihn durch das Wirken des Heiligen Geistes verwandelt. Sie ist Zentrum des Hauptgottesdienstes, der Heiligen Liturgie.

 

Die orthodoxe Kirche verwendet für das Wort „Sakrament“ den Begriff „Mysterium“, um das Geheimnis der Vermittlung der Gnade Gottes auszudrücken.

 

In der Regel werden 7 Sakramente genannt:

-     Taufe                                      

-     Buße

-     Myronsalbung                       

-     Krankensalbung

-     Eucharistie                           

-     Priesterweihe

-     Trauung

 

Daneben gibt es eine Fülle von Segens- und Zeichenhandlungen, die manchmal als „Sakramentalien“ bezeichnet werden.

 

Das Grundsakrament im Leben eines Christen ist die Taufe. In einem orthodoxen Katechismus heißt es: „In der Taufe wird der Mensch durch dreimaliges Untertauchen ins Wasser unter Anrufung des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes geistlich wiedergeboren. Er wird zum geistlichen Leben fähig gemacht  und an Christus in seiner Kirche angegliedert.“  In der Regel wird sofort nach der Taufe eine zweites Sakrament gespendet: die Myronsalbung. Sie stellt sinnbildlich die Handauflegung durch die Apostel dar, durch die die Getauften den Heiligen Geist empfangen haben (Apg. 8,14-17).

Auch die Trauung gehört zu den Sakramenten der orthodoxen Kirche. Die Stiftung des Sakraments der Ehe wird auf die Schöpfung Gottes zurückgeführt, als Gott das erste Menschenpaar segnete und sprach: „Seid fruchtbar  und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.“  Zum Zeichen der Heiligkeit der Ehe wird das Brautpaar gekrönt. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Zeichenhandlungen: Die Hände des Brautpaares werden zusammengebunden, beide bekommen aus einem gemeinsamen Kelch Wsein zu trinken  und das Brautpaar schreitet um das Traupult herum, das in der Mitte der Kirche aufgestellt ist, wobei der Priester mit dem Kreuz vorangeht. Das alles soll bildlich die Zusammengehörigkeit des jungen Paares und die Würde der Ehe darstellen, die unter Gottes Segen von der Kirche betreut und geleitet wird.

 

In der Liturgie stellt der Bischof oder in seiner Vertretung der Priester sinnbildlich Christus selbst dar. Aus eigener Kraft und Würde könnte kein Mensch dieses Amt übernehmen. Immer, wenn es um die Darstellung des Heilshandelns Gottes in dieser Welt geht, muss die Initiative und der Auftrag von Gott selbst ausgehen. Die Grundlage des priesterlichen Amtes in der orthodoxen Kirch ist, dass Christus selbst Apostel berufen hast zur Weitergabe des Heils. Die Apostel haben diesen Auftrag durch Handauflegung weitergegeben. Nur, wer in der ungebrochenen Tradition dieser Beauftragung steht, kann den Dienst übernehmen, Gottes Heilshandeln im Gottesdienst zu vergegenwärtigen.

 

Träger dieser „apostolischen Sukzession“ sind zunächst die Bischöfe. Jeder Bischof weiht aber als Gehilfen seines Amtes in seiner Diözese Priester und Diakone. Vor der Priesterweihe können Diakone und Priester heiraten, nur die Bischöfe sind zur Ehelosigkeit verpflichtet. Wichtigstes Element der Priesterweihe ist die Handauflegung  durch den Bischof  und die damit verbundenen Gebete. Die Weihe eines Bischofs muss von mindestens zwei Bischöfen vollzogen werden. Die Gemeinde wirkt an der Weihe mit, indem sie mit dem Zuruf „axios, würdig“ die menschliche Eignung des zukünftigen  Diener der Gnade Gottes bestätigt.

Frömmigkeit