Nationalkirchen – Die orthodoxe Kirchenfamilie

Unter orthodoxen Nationalkirchen werden die byzantinisch-orthodoxen Kirchen verstanden. Oft wird das mit „griechisch Orthodox“ gleichgesetzt. Das Wort „griechisch“ ist in diesem Zusammenhang nicht geographisch zu verstehen. Vielmehr ist damit der Einfluss des Hellenismus gemeint, der in der Antike prägend für Kirche, Theologie, Philosophie und Kultur war.

 

Insgesamt umfasst die byzantinisch-orthodoxe Kirchenfamilie 14 Nationalkirchen (in Klammer der Bezeichnung der Kirchenleitung):

 

1.    Kirche von Konstantinopel (Ökumenisches Patriarchat von 
       Konstantinopel)

2.    Kirche von Alexandrien (Patriarchat von Alexandrien)

3.    Kirche von Antiochien (Patriarchat von Antiochien)

4.    Kirche von Jerusalem (Patriarchat von Jerusalem)

5.    Kirche von Moskau und ganz Russland (Patriarchat von Moskau und 
       ganz  Russland)

6.    Kirche von Serbien (Patriarchat von Serbien)

7.    Kirche von Rumänien (Patriarchat von Rumänien)

8.    Kirche von Bulgarien (Patriarchat von Bulgarien)

9.    Kirche von Georgien (Patriarchat von Georgien)

10.  Kirche von Zypern (Erzbistum von Zypern)

11.  Kirche von Griechenland (Erzbistum von Griechenland)

12.  Kirche von Polen (Erzbistum von Polen)

13.  Kirche von Albanien (Erzbistum von Albanien)

14.  Kirche von Tschechien und der Slowakei (Erzbistum von Tschechien 
      und der  Slowakei)

 

Hinzu kommen die beiden autonomen Kirchen von Finnland und Estland.

Autokephale Kirchen sind selbständig. Sie regeln ihre Angelegenheiten intern. Dazu gehört die Ernennung von Bischöfen wie die Einberufung von Bischofssynoden.


Davon unterschieden sind die autonomen Kirchen. Die Wahl eines Oberhauptes einer solchen Kirche bedarf der Bestätigung des Patriarchen von Konstantinopel. Ihre Organe und Selbstverwaltung sind ebenso gegenüber dem Patriarchen von Konstantinopel verantwortlich.

Diese orthodoxen Kirchen haben denselben Glauben, denselben Gottesdienst, dieselben Sakramente und dieselbe Kirchenstruktur. Sie stehen gegenseitig in voller Kirchengemeinschaft. Deshalb werden sie auch kanonische orthodoxe Kirchen genannt.

 

Daneben gibt es eine Reihe nicht-kanonischer orthodoxen Kirchen, die sich aus verschiedenen Gründen von der Gesamtorthodoxie abgespalten haben. Sie werden von den kanonischen orthodoxen Kirchen nicht anerkannt. Dazu zählen etwa die mazedonische-orthodoxe Kirche, die ukrainisch-orthodoxe Kirche oder die orthodoxen Kirchen von Amerika und Japan. Den letzten beiden wurde die Selbständigkeit von der russisch-orthodoxen Kirche zugesprochen.
Dazu gehörten in 20. Jahrhundert auch Exilkirche, die sich von ihrer Mutterkirche im kommunistischen Herrschaftsbereich absetzten. Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme hat sich dieses Problem im Laufe der letzten Jahre von selber gelöst.

 

In der orthodoxen Kirchenfamilie genießt der Patriarch von Konstantinopel durch seine historische Bedeutung das Ehrenprimat. Er hat deshalb auch die Bezeichnung „ökumenischer Patriarch von Konstantinopel“. Damit wird die Bedeutung dieses Bischofsitzes für die Orthodoxie deutlich, die auch nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken herausragend ist.

Gottesdienstsprache in den orthodoxen Kirchen ist in der Regel die Landessprache. In der griechischen Kirche und in Russland dominieren noch die alten Sprachen (Altgriechisch, kirchenslawisch).

 

In Deutschland leben orthodoxe Christen aus allen orthodoxen Nationalkirchen. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg sind zahlreiche orthodoxe Christen nach Deutschland gekommen. Zahlenmäßig am stärksten waren orthodoxe Christen aus Griechenland und Serbien. Die Verbindung zu ihrer Kirche ist ein Stück nationale Identität. So haben sich orthodoxe Kirchengemeinden auch jeweils als Zusammenschluss der nationalen Identität gebildet. Es wurden von den jeweiligen Nationalkirchen Auslandsbistümer gebildet.
1994 wurde die „Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland“ (KOKiD) gegründet. Damit wurde der Versuch unternommen, Strukturen der Zusammenarbeit der byzantinisch-orthodoxen Kirchengemeinden in Deutschland zu entwickeln. 2010 wurde die „Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland“ als Zusammenschluss der byzantinisch-orthodoxen Bischöfe aller Diözesen in Deutschland gegründet.

Auf der Internetseite www.obkd.de ist eine aktuelle Zusammenstellung aller byzantinisch-orthodoxen Gemeinden in Deutschland zu finden.

 

Neben den byzantinisch-orthodoxen Kirchen gibt es die Orientalischen Orthodoxen Kirchen. Deren Glaube, Gottesdienst, Organisation und Kirchenstruktur ist denen der byzantinisch-orthodoxen Kirchen weitgehend gleich. Diese Kirchen werden auch altorientalische oder non-chalkedonensische orthodoxe Kirchen genannt.


Zu ihnen gehören:

1.    Die Äthiopische Orthodoxe Kirche

2.    Die Armenische Apostolische Orthodoxe Kirche

3.    Die Koptische Orthodoxe Kirche

4.    Die syrische Orthodoxe Kirche von Antiochien

5.    Die Apostolische und Katholische Kirche des Ostens (Assyrische 
       Kirche)

6.    Die ostsyrische orthodoxe Kirche in Südindien (Thomas- oder 
       Malankirche)

7.    Die westsyrische orthodoxe Kirche in Südindien

 

Diese Orientalischen Orthodoxen Kirchen haben keine Kirchengemeinschaft mit den byzantinisch-orthodoxen Kirchen. Das hat dogmengeschichtliche Gründe (Wertung des Konzils von Chalkedon 451).

 

Die meisten byzantinisch-orthodoxen Kirchen und alle Orientalisch Orthodoxen Kirchen sind Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen
(www.oikoumene.org).