Ökumenischer Bericht zur Religionsfreiheit 2017

Hier finden Sie die EKD-Broschüre in Kürze zum Download

Begriff "Christenverfolgung" ist problematisch

"Meistens werden nicht allein die Christen verfolgt" - das ist die Einschätzung von Dr. Daniel Legutke, Referent für Menschenrechte der katholischen Organisation Iustitia et Pax. "Wir sehen, dass dort, wo Menschen um ihrer Religion Willen diskriminiert werden, es auch schlimm um andere Menschenrechte steht. Ich kann mir geradezu keinen Fall vorstellen, wo man sagen kann, Menschenrechtssituation sehr gut bis auf religiöse Bedrängung, religiöse Diskriminierung."

In dem Interview mit Deutschlandradio Kultur am 13.9.2015 verweist Legutke darauf, dass der Begriff den genauen Blick auf die Ursachen verhindere. Auch hält er die von manchen Organisationen genannten Zahlen für zweifelhaft, weil sie auf Schätzungen und Hochrechnungen beruhten. Die hohe absolute Zahl bedrängter Christen ergebe sich aus der hohen Anzahl von Christen an sich; im Verhältnis zu ihrer Mitgliederanzahl würden dagegen Angehörige der Bahai-Religion noch viel massiver unter Verfolgung und Bedrängung leiden.

Legutke plädiert für einen menschenrechtsbasierten Ansatz: "Wir würden vom Recht auf Religionsfreiheit reden, das verletzt wird, das massiv verletzt wird, und wenn wir die Rechtskategorien in den Blick nehmen, dann finden wir auch die Instrumente, finde ich, viel schneller, mit denen wir eine rechtlich bessere Situation herstellen können. Dann geht es nämlich um Rechtsdurchsetzung, dann geht es um gute Regierungsführung, dann geht es um Teilhabe, politische Partizipation – das sind die Fragen, die uns interessieren sollten."

Recht auf Religionsfreiheit - Links und Lesehinweise

Deutsche Bischofskonferenz / Evangelische Kirche in Deutschland (Hg.), Ökumenischer Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit 2013. Das Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit: Bedrohungen - Einschränkungen - Verletzung. Gemeinsame Texte Nr. 21, Bonn / Hannover 2013.Download (PDF, 3 MB)
Andreas Hoffmann / Peter Ley, Christenverfolgungen in der Antike: Entwicklungslinien, Motive und die Frage der Definition, in: Georg Plasger / Heinz-Günther Stobbe (Hg.), Gewalt gegen Christen. Formen, Gründe, Hintergründe, Leipzig 2014, S. 73-124.ISBN 978-3-374-03923-4
Ravinder Salooja, Orissa 2008 - Gewalt gegen Christen im Kontext Indiens, in: G. Plasger / H.-G. Stobbe, Gewalt gegen Christen. Formen, Gründe, Hintergründe, Leipzig 2014, S. 181-193.ISBN 978-3-374-03923-4
Ravinder Salooja, Die Welle anti-christlicher Gewalt in Orissa (Indien) im Herbst 2008. Darstellung und Analyse der Situation und ihrere Hintergründe, 2010. (Hintergrundmaterial für die EKD-Fürbitte an Reminiscere 2011)Download (PDF)

70 Jahre, und immer noch kein Friede

Gebetsbänder am Grenzzaun in Imjingak (c) Ravinder Salooja

Vom 10.-13. September 2015 fand auf Einladung der Presbyterianischen Kirchen in Korea ein internationales Friedensforum statt. Die Delegierten kamen aus 20 verschiedenen Ländern. Nach Jürgen Reichel, Generalsekretär der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS), zeigen „die aktuellen Ereignisse an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea die Brisanz dieses internationalen Zusammentreffens. Ohne einen Friedensvertrag – anstelle eines Waffenstillstandes – wird sich die Lage in der gesamten Region weiter zuspitzen." Allerdings hätten alle politischen Akteure, die Großmächte wie die Regierungen der beiden Koreas, ein großes Interesse am Status Quo. Reichel sprach bei dem Forum in Seoul über die Ökumenische Bewegung und ihr Engagement für Frieden in Nordostasien sprechen.

Mit dem Jahr 2015 hatten die Organisatoren ein bedeutungsvolles Jahr für die Menschen in Korea und im gesamten nordostasiatischen Raum für das Friedensforum gewählt. Das Ende des zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren war auch das Ende der japanischen Kolonialherrschaft. Die koreanischen Kirchen wollen sich die jüdische Gedenkkultur zum Vorbild nehmen und „vergeben, aber nicht vergessen“. Das Erinnern an die Gräuel bis 1945, die folgenden Jahre des Koreakrieges und die Dankbarkeit für die seitherige Entwicklung Südkoreas führen die Kirchen heute dahin, sich für Frieden und Versöhnung in der Region einzusetzen.

Erkämpfte, gefährdete, gelebte Demokratie. Wie es um die demokratische Zivilgesellschaft in Südkorea steht

Berichte, Video-Statements, Interview-Partner und weiterführende Links - aus Anlass des ersten Jahrestages der Sewol-Katastrophe in Südkorea am 16. April 2015 bietet die Evangelische Mission in Solidarität EMS eine Fülle von Hintergrundinformationen zur aktuellen Situation in Südkorea.

Für ganz real hält der südkoreanische Künstler HONG Sungdam die Kriegsgefahr in Ostasien. Die Demokratie sei zur Zeit bedroht. „Wenn wir die Demokratie nicht ausweiten können, wird es zum Krieg kommen“, sagte er in der vergangenen Woche im thüringischen Neudietendorf.

Der „brennende Durst der Menschen in Korea nach Demokratie und Frieden“ birgt nach Meinung von Lutz Drescher, dem Verbindungsreferenten der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) für Ostasien, aber auch in der jetzigen Situation viel Hoffnung. „Die Menschen sind herausgefordert, weiterhin für die Entwicklung und Gestaltung ihres Landes zu kämpfen.

Auch Dorothea Schweizer, württembergische Pfarrerin im Ruhestand, will sich ihre Hoffnung für das ostasiatische Land nicht nehmen lassen. Sie hat 12 Jahre dort gelebt und wurde zur Informationsbrücke zwischen Südkorea und Deutschland in den Zeiten der Demokratiebewegung. „Die Menschen haben die Demokratie in ihrem Land wirklich mit Herzblut erkämpft.“

Die Sewol-Katastrophe habe nicht zu einer Krise der Demokratie in Korea geführt, sondern lediglich bestehende Mängel deutlich gemacht - so sieht es jedenfalls Karina Schumacher, die seit Anfang 2012 als Ökumenische Mitarbeiterin der EMS in Seoul, Südkorea, arbeitet. Sie schreibt in einem Blog über ihre Erfahrungen und hat eine Bilderstrecke zusammengestellt. 

Die Evangelische Mission in Solidarität bietet weitere Materialien:

Asienreferenten fordern De-Eskalation und Friedensverhandlungen

Die neuerlichen Spannungen zwischen Nord- und Südkorea lassen die Gefahr eines neuen Krieges real erscheinen. Die Ostasienkommission des Evangelischen Missionswerk in Deutschland (EMW) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) fordern Schritte zur Entspannung.

Bereits im Frühjahr dieses Jahres forderte die Presbyterianische Kirche in Korea (PROK) in einem Aufruf an die eigene Regierung und die US-amerikanischen Verbündete ein Ende der Provokation und mehr Offenheit für die Wünsche des Volkes. Sie kritisierte die unbeugsame Haltung gegenüber Forderungen Nordkoreas. Diesem Aufruf schlossen sich 27 süd-koreanische Frauenorganisationen an. Am 24. November tagten die Ostasienkommission der Missionswerke und der EKD der mit den koreanischen Kirchen verbundenen deutschen Werke und Kirchen. Auf dem Hintergrund europäischer Erfahrungen fordern sie ein Umdenken und Abrücken vom derzeitigen Konfrontations- und Abschreckungskurs. Bereits in seiner Sitzung im Juni 2010 hatte der internationale Missionsrat des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland e.V. als Zeichen der Solidarität zum 60. Jahrestag des Koreakriegs am 25. Juni die Kirchen gebeten, für Versöhnung und Wiedervereinigung des geteilten Korea einzutreten. Sie wurden gebeten, eine Fürbitte für Korea in ihre Gottesdienst aufzunehmen.

Weitere Links:

Koreanische Zwangsprostituierte und Brot-für-die-Welt-Jahreskarte 2011

Als „Trostfrauen“ wurden die nach Schätzungen ca. 200.000 Mädchen und junge Frauen aus insgesamt 13 Ländern bezeichnet, die während des Asien-Pazifik-Krieges (1937-1945) vom japanischen Militär zur Sexsklaverei in Bordellen an allen Fronten des Krieges gezwungen wurden. Nur ca. 30% von ihnen überlebten den Krieg und trugen körperliche, seelische und auch soziale Folgeschäden davon, die sie ihr gesamtes Leben lang beeinträchtigten.Bis heute ist das Thema seitens der japanischen Regierung weder als Kriegsverbrechen anerkannt, noch angemessen aufgearbeitet. Die Überlebenden kämpfen um politische Anerkennung und Rehabilitierung, seit sich die ersten ehemaligen „Trostfrauen“ vor 20 Jahren erstmals öffentlich zu Wort meldeten. Vorher galt dieser Aspekt des Krieges in Japan, wie auch in den 12 Opferstaaten als unbekannt oder wurde tabuisiert. (Quelle: www.koreaverband.de)Weitere links zum Thema "Comfort women" bzw. "Trostfrauen":

Prälaturpfarrer Ravinder Salooja, Heilbronn